Sieben, die auszogen, den Gegner das Fürchten zu lehren
oder: die Geschichte einer Vereinsgründung
Eigentlich hatte der damalige Studienreferendar G. Bräuer nicht die Absicht, gleich nach seinem Staatsexamen einen Sportverein
zu gründen. Er wollte seinem Dienstauftrag entsprechend am Gymnasium Riedlingen neben seinen Fächern Französisch und Erdkunde
nur Sportunterricht erteilen. Doch alles kam anders.
Von einem Bundesligaspieler der Universität Heidelberg, der Hochburg des Basketballs in den 60er Jahren, trainiert, gelang
es Sportlehrer Bräuer in kurzer Zeit seine Buben der 7. Klasse fr das amerikanische Spiel zu begeistern.
Da Basketball in Riedlingen so gut wie unbekannt war und auch von örtlichen Vereinen nicht angeboten wurde, war die "Marktlücke"
schnell entdeckt und schon wurden Dribblings, Pässe und Korbwürfe in der neuerbauten städtischen Sporthalle fleißig geübt.
Doch die 3 Gummibälle, die das Gymnasium damals besaß, hatten es in sich. Die verblüffende Ähnlichkeit mit Luftballonen
war unverkennbar, so dass sie Lehrer und Schüler bald zur schieren Verzweiflung brachten. Beim Dribbling z. B. war äußerste
Vorsicht geboten; denn schon bei mittlerem Handruck entglitten die Bälle in Richtung Hallendecke. Dafür war ein Korbwurf eher
ein ästhetischer Genuß; der Ballon schwebte, die Regeln der Ballistik wohl beachtend, auf den Eisenring zu, der aus der Ferne
betrachtet, viel zu klein erschien, um das rote Flugobjekt in sich aufzunehmen.Dennoch ließen sich Sportlehrer Bräuer und
seine Buben nicht entmutigen. Zu groß war schon die Begeisterung für das neue Spiel und unter Umständen ließen sich auch mit
einem Luftballon Körbe erzielen. So begann der Basketball seinen Einzug in die Donaustadt.
Für den Sportunterricht standen damals leider nur 2 Stunden zur Verfügung. Die erste Stunde war für das Schwimmen reserviert,
in der zweiten wurden alle übrigen Sportdisziplinen wie Geräteturnen, Leichtathletik usw. unterrichtet; für die Spiele blieb
nicht mehr viel Zeit übrig. Daher hielt man Ausschau nach weiteren Spiel- und Trainingsmöglichkeiten. Schnell bot sich da
die 10-Uhr-Pause an, die voll genutzt wurde, um der beliebten Sportart zu frönen. Ja selbst die Mittagspause war zum Basketballspielen
günstig, denn waehrend dieser Zeit stand die Sporthalle leer. Die Folge war allerdings, da die Jungen - fast alle waren Internatsschueler
von St. Gerhard - regelmäßig zum Mittagessen zu spät kamen. Welche Entschuldigungen diese Kerle bei den leitenden Patres vorbrachten,
blieb bis heute ein Rätsel.
Der Basketball fand nun schnell neue Fans in verschiedenen Klassen, so daß es geboten schien, Arbeitsgemeinschaften einzurichten.
Wo sich aber Mannschaften bilden, entwickelt sich bald der Ehrgeiz, gegeneinander zu spielen.
In einem von Ostern bis zu den groen Ferien sich hinziehenden Großturnier hatten die Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen
die Gelegenheit, gegeneinander anzutreten, um die Schulmeisterschaft zu erringen
Bei der letzten dieser Sportveranstaltungen spielten ber 30 Mannschaften in 52 Einzelspielen. Unvergeßliche Höhepunkte
waren bei diesen Großturnieren immer die spannenden Endspiele an irgendeinem Samstag Abend kurz vor Ferienbeginn. Dann hatten
die Abiturienten ihren letzten Auftritt. Vor zahlreichen Zuschauern boten sie klassischen Basketball und spielten auf hohem
Niveau um die 3 ersten Plätze, um Bronze-, Silber- und Goldmedaillen: der Gedanke an Olympia drängte sich auf.
Jetzt war der weitere Weg des Basketballsports in Riedlingen vorgezeichnet. Von der Schulolympiade bis zur Gründung eines
Sportvereins war es nur noch ein kleiner Schritt; denn nur auf dieser Ebene konnten die Riedlinger sich mit fremden Mannschaften
messen. Die Gründung eines Sportvereins mußte jetzt ins Auge gefaßt werden. Wie aber geschieht dies? Da mußte jemand gefunden
werden, der sich in diesen Dingen auskannte. Dieser "jemand" fand sich schnell in Biberach. In der dortigen Turngemeinde
(TG) war Dietmar Reif Abteilungsleiter für Basketball, und er war es, der in dankenswerter Weise den Riedlingern bei der Vereinsgründung
mit Rat und Tat zur Seite stand. So konnte an einem trüben Septembersamstag des Jahres 1973 im altehrwuerdigen Gasthaus "Kreuz"
der "Basketballclub Gymnasium Riedlingen e. V." (BCG) aus der Taufe gehoben werden. Sieben Mitglieder, darunter
mindestens 2 Erwachsene, so wie das Gesetz es vorschrieb, mußten bei der Gründung anwesend sein. Wo aber sollte der zweite
Erwachsene herkommen, denn die Schüler waren alle noch minderjhrig. Mit großer Überredungskunst konnte schließlich Sportlehrer
Bräuer seinen Kollegen Peter Kraski, einen ausgeprägten Fußballer, für die Sache gewinnen und damit war die Gründungsmannschaft
komplett. Neben dem 1. Vorsitzenden G. Bräuer und seinem Stellvertreter P. Kraski leisteten folgende Schülerinnen und Schüler
als Gründungsmitglieder ihre Unterschrift: Pauline Eisele, Günther Wall, Franz Glocker, Bernhard Gehl und Roland Böhmer. Die
übrigen Formalitäten auf dem Amtsgericht waren schnell erledigt und schon konnte die Schulmannschaft des Gymnasiums Riedlingen
als neue Vereinsmannschaft an den baden-württembergischen Rundenspielen teilnehmen.
Die erste Fahrt führte die Riedlinger nach Heidenheim an der Brenz. Der Gegner war unbekannt, sehr schnell bekannt allerdings
war, wie diese erste Begegnung wohl ausgehen würde. Die wackeren Mannen aus der Donaustadt mußten eine vollkommene Niederlage
hinnehmen. Das Ergebnis lautete: 121:47. Das Spiel war ein Lehrstück, der Gegner ein Meister. Doch kein Meister ist unschlagbar.
2 Jahre später schaffte es die neu aufgestellte Mädchenmannschaft beim Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia"
auf Landesebene zuerst den südbadischen, dann den nord-württembergischen Oberschulamtsmeister auszuschalten. Heidenheim war
besiegt. Riedlingen konnte den württembergischen Meistertitel nach Hause bringen und als Vizemeister des Landes Baden-Württemberg
in die Annalen eingehen. Und so vergingen die ersten Vereinsjahre. Ein Spiel reihte sich ans andere. Gespielt und gekämpft
wurde auf Schul- und Vereinsebene.
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Viele Siege wurden errungen, noch mehr Niederlagen eingesteckt und auf den vielen Fahrten, die die Riedlinger bis nach Lörrach
und Heidelberg brachten, lernte man das ganze Ländle kennen. Ein großes Problem fr den Fortbestand des jungen Sportvereins
war allerdings die Tatsache, daß hervorragende Spieler nach dem Abitur aus beruflichen Gründen Riedlingen verlassen mußten,
so daß es fast ausgeschlossen war, die Jugendmannschaften als Damen- oder Herrenmannschaften weiterlaufen zu lassen. Daher
konzentrierte man sich ganz auf den Jugendsport. Bis zu 9 Mannschaften nahmen z. T. mit großem Erfolg an den Spielen "Jugend
trainiert für Olympia" teil. Dabei hatten vor allem die Mädchen den größten Anteil an den sportlichen Erfolgen. So konnten
die Mannschaften des Kreisgymnasiums 10mal bis zur Landesebene vorstoßen, siebenmal Landesdritter und einmal sogar Landesvizemeister
bzw. württembergischer Landesmeister werden. Einen besonderen Höhepunkt in der Geschichte des Basketballclubs bildeten die
Feundschaftsspiele gegen Amerikaner und Franzosen. Die in Inneringen bzw. in Stetten am kalten Markt stationierten Soldaten
nahmen die Einladungen der Riedlinger immer gerne an; denn die Begegnungen mit den deutschen Sportlern bedeuteten für sie
eine willkommene Abwechslung innerhalb des militärischen Alltags auf der Schwäbischen Alb.
Auf der anderen Seite brachten diese Treffen der neu aufgestellten BCG-Herrenmannschaft neuen Aufschwung und neue Motivation.
Dabei sorgten gerade die farbigen GIs von jenseits des Atlantiks für Exotik und Aufregung mit ihren trickreichen Dribbelsprints,
fastbreaks und dunkings.
Für immer unvergessen bleibt der beim Publikum beliebte Toni aus New York, der die Zuschauer immer wieder mit seinen artistischen
Einlagen zu Beifallstürmen hochriss
Für 2 Jahre konnte Toni für den BCG verpflichtet werden und er war es, der der Riedlinger Herrenmannschaft zum Aufstieg
in die Bezirksliga verhalf.
Ein sportlicher Leckerbissen besonderer Art waren (und sind immer noch) die internationalen Basketballturniere in Regensdorf
bei Zürich in der Schweiz. Wenn auch die Erfolge eher bescheiden waren, so war die Teilnahme an diesen Spielen fr die einzelnen
Mannschaftsmitglieder von persönlicher Bedeutung nach dem Motto: dabei sein ist alles. Die Begegnung mit jungen Leuten anderer
Zunge und Sprache auf sportlicher und kameradschaftlicher Ebene hinterließ nachhaltige Eindrücke, verspürte man doch im nahen
Ausland schon den Duft der großen weiten Welt, einen Hauch von Olympia.
Bei den sogenannten Mixtturnieren, bei denen jeweils 2 Damen und 3 Herren (oder 3 Damen und 2 Herren) eine Mannschaft
bildeten, traf man auf Gegner aus Italien, Österreich, Frankreich, Deutschland und aus der Schweiz. Schon oft machten sich
die Riedlinger Sportler auf den Weg nach Zürich. Es bleibt nur zu hoffen, daß in diesem und auch in den nächsten Jahren der
BCG auf eidgenössischem Boden mit von der Partie sein wird
Viele Jahre liegen dazwischen, ein Vierteljahrhundert Vereinsarbeit, eine lange Zeit des sportlichen und geselligen Beisammenseins,
eine Zeit der Siege und der Niederlagen, der Feste und der Feiern aber auch des Kommens und Gehens von unzählbaren jungen
Sportlerinnen und Sportlern. Wieviele waren es, wer kennt noch alle ihre Namen?
Sie alle leisteten ihren Beitrag, sie alle hatten ihren Anteil beim Aufbau des Basketballclubs. Und ihnen allen gebührt
unser aller Dank für das Mitspielen, für das Mithelfen, für das Mittragen. Mögen alle Vereinsmitglieder, besonders die Aktiven
in den Mannschaften, die zum Teil mit höchstem Erfolg spielten und spielen, sowohl die Damen- als auch die Jugend- und Herrenmannschaft
die Tradition weitertragen ins neue Jahrtausend, um nachfolgenden Jugendgenerationen den schönen Basketballsport weiter zu
vermitteln.
Es wäre zu wünschen.
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